Nach der Restaurierung und Aufstellung der Jupitersäulen im Archäologischen Museum Frankfurt im Jahre 2006 und der Neueinrichtung eines Lapidariums im Kreuzgang des Karmeliterklosters 2009 bildet die Materialgruppe Stein weiterhin einen Arbeitsschwerpunkt des Museums. Hierbei steht die Erschließung der überaus reichhaltigen Sammlung an römischen Steindenkmälern im Vordergrund. So werden zum Beispiel Fragen zu Abbaugebieten der Werksteine mit naturwissenschaftlichen Analysen beantwortet.

In einer Kooperation mit Prof. Dr. Gotthard Kowalczyk vom Geowissenschaftlichen Institut der Universität Frankfurt ist dies für die umliegenden Sandsteinbrüche bereits gelungen und wird derzeit von Sascha Staubach auf die Basaltbrüche ausgedehnt. Aber auch eingehende Untersuchungen zur Verarbeitungstechnik des Steinmaterials werden vorgenommen. Neben den weitläufig bekannten Werkzeugen der Steinhauer wie Zweispitz, Meißel und Hammer steht mit der Steindreherei derzeit eine weitere Bearbeitungstechnik im Mittelpunkt des Interesses. Dabei handelt es sich um eine antike Technik, die bis in das 19. Jahrhundert fast vollständig in Vergessenheit geraten ist.

Eine große Denkmalgruppe innerhalb der Sammlung dürfte mit dieser Technik bearbeitet worden sein, denn die Steine zeigen die hierfür eindeutigen Drehrillen auf der Gesteinsoberfläche.

In verschiedenen Experimenten konnte nachgewiesen werden, dass eine Drehbank für Steinobjekte sich im Prinzip nicht von einer für Holz oder Metall unterscheiden muss. Wolfgang Block, Teja Huppertz und Franz Martin (alle Archäologisches Museum Frankfurt) sei in diesem Zusammenhang für ihren technischen Einfallsreichtum und ihr handwerkliches Geschick gedankt. Ganz allgemein lässt sich die Technik wie folgt beschreiben: Manuell gedrehte Werksteine lassen sich mit einem scharfen Meißel in die typische fein profilierte Form bringen. Dabei ist die Lagerung des abzudrehenden Steines auf einer horizontalen Rotationsachse ohne weiteres möglich. Dieser Methode stand man bisher ablehnend gegenüber, da man die Vorstellung hatte, ein Stein mit einer hohen Masse könnte nicht, ohne auszubrechen, zwischen zwei Achsen gelagert werden. Stattdessen wurde eine Drehbank favorisiert, die auf dem Prinzip der Töpferscheibe basiert und den Stein in einer vertikalen Drehachse sieht. Um die Bedenken bei einer horizontalen Rotation des Steinobjekts zu widerlegen, die alleinig auf theoretischen Annahmen beruhten, wurde in einem archäologischen Experiment nunmehr seit über 18 Monaten ein Stein mit einer Masse von 1250 kg in einer horizontalen Drehachse ohne nachweisbare Schäden gelagert.

Das Erkennen von antiken Arbeitsspuren am Objekt und die darauf aufbauende Rekonstruktion historischer Herstellungstechniken kann dazu beitragen, das technische Knowhow einer Kultur zu erfassen. Das bedeutet gleichzeitig, dass auch Verbindungen zu anderen Kulturen und Epochen gezogen werden können. Die derzeit bekannten gedrehten Steinobjekte des hiesigen Kulturraumes sind
ausnahmslos römischen Ursprungs. Formen wie z.B. Säulenbasen, die für frühmittelalterliche Bauten wieder Verwendung fanden, wurden dagegen mit anderer Technik gefertigt. Die Steindreherei selbst war bis weit in die Neuzeit hinein in Vergessenheit geraten.

Thomas Flügen

 

 

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